Von der Angst davor, zu enttäuschen, und dem Mut, Träume aufzugeben.
Ich hatte einen tollen Job. Einen besonderen. Meinen Traumjob. Selbständig, viele Aufträge, bei den führenden Namen der Branche. Es war ein Kampf dort hin zu kommen. Mit immer wieder der Motivation im Kopf „Nur noch ein Mal, nur noch die paar Monate durchziehen, dann wird es besser!“ Ich habe sehr lange sehr viel verzichtet, sehr viel meine Grenzen überschritten. Aber es hatte sich gelohnt. Ich war an dem Punkt, an dem es eigentlich leichter werden sollte. An dem ich endlich etwas zurückfahren hätte können sollen. Weil ich ein finanzielles Polster hatte. Einen Namen. Weil ich gefragt war. Ich war endlich da.
Hätte. Könnte. Sollte. Aber nicht wurde. Wieder und wieder nicht wurde.
Es ist nie genug gewesen. Es kam immer ein neues Problem. So dass ich „nur noch ein kleines Bisschen länger durchhalten musste“. „Ein letztes Mal“. Es gab so viele letzte Male, dass ich sie nicht mehr zählen kann.
Und dann – dann kam er aber doch. Der Moment. Das wirkliche letzte „letzte Mal!“.
Jedoch …anders, als ich es dachte. Denn das war nicht der Moment, an dem ich mich wie gehofft frei fühlen sollte.
Angekommen und „fertig“.
Mein letztes Mal war der Moment,an dem ich gebrochen war. An dem ich nicht mehr konnte. Physisch. Psychisch. Komplett. Der Moment, an dem ich nichts mehr wollte.
Es war die letzte Grenze. Die alles mit sich riss, als ich sie überschritten hatte.
Meine Liebe für das was ich tat wurde zu Übelkeit nur beim Gedanken daran, weitermachen zu müssen.
An dem Tag habe ich meinen Mut verloren.
Meine Pläne.
Mein Ziel.
Mein Bild von dem, wie die Zukunft aussehen würde.
Und es fühlte sich aussichstlos an.
Und hab ich meinen Mut dann noch wieder gefunden? Spoiler: Ja und es führte mich auf einen anderen Weg,als ich dachte. Und es fühlte sich anders an, als ich dachte. Nicht wie ich dachte, wie Mut sich anfühlen sollte.
Es hat gedauert. Und es war schwierig. Vor allem mir einzugestehen, wo ich stehe, was ich brauche und was ich eigentlich will. Aber meine Freunde, mein Mann, mein Sohn waren da. Haben mich gestützt. Gehalten und mein Hirn umarmt und mir geholfen meinen Mut zu finden und ihn dann mit mir auszugraben. Meinen Mut. Meinen Mut, all das hinter mir zu lassen, was mir schlecht tat. Womit ich mir schlecht tat. Wodurch ich einen ganz wichtigen Teil von mir verloren hatte. Undzwar die Freude an dem, was mich immer aus gemacht hat. Was ich zu meinem Beruf machte, weil ich es so liebte. Wozu ich mich nicht mehr aufraffen konnte, was am Ende sogar so eine Abneigung in mir auslöste, dass ich mich davon fast übergeben musste.
Den Mut loszulassen. Es zu beenden. Verträge aufzulösen. Das was sich wie Versagen anfühlte, wie andere enttäuschen, da lag mein Mut. Der Mut es trotz all dieser Ängste trotzdem zu tun. Für mich.
Und den habe ich mit Hilfe meiner Menschen gefunden. Sie haben meine Hände gehalten, sehr fest und wenn ich wackelte und hinzufallen drohte, mich gestützt. Und es war keine gerade Linie.
Und der Weg zum Glück, meinen Mut im Gepäck, meine Menschen an meiner Seite ist trotzdem geduldig. Denn er ist lang. Aber ich fühle mich dabei schon viel leichter, ich kann mittlerweile allein gehen, stolpern, sogar hinfallen und aufstehen. Und ich fühle Ruhe in mir. Und seit kurzem wieder einen kleinen Funken, da wo meine Leidenschaft mal brannte. Und ich freue mich, diesen kleinen Funken neu für mich zu entdecken. Er wartet auf mich, er lebt, er leuchtet mir entgegen, egal wie lang ich brauche, um ihn wieder zu erreichen.