Von der Angst vor Veränderung, und dem Mut, ihr trotzdem zu begegnen.
Eine der Situationen in denen mich der Mut verlassen hat war ein Moment, von dem viele denken, er müsse sich ausschließlich glücklich anfühlen: der Augenblick, in dem ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt.
Wir hatten uns dieses Kind gewünscht. Wirklich. Und trotzdem war mein allererster Gedanke nicht pure Freude, sondern ein ehrliches, fast erschrockenes: „Oh shit. Das ist jetzt echt.“
In Sekundenbruchteilen rauschte alles durch meinen Kopf. Mein Leben, wie ich es kannte. Meine Freiheit. Meine Hobbys, Freundschaften, meine Karriere. Meine Ehe, mein Zuhause, mein Körper, mein Schlaf. Ich selbst. Mir wurde schlagartig klar: Nichts davon würde unberührt bleiben. Alles würde sich verändern. Und diese Erkenntnis hat mich für einen Moment komplett überfordert. In genau diesem Moment habe ich kurz den Mut verloren.
Es war kein Zweifel an dem Wunsch nach diesem Kind – es war die schiere Größe dessen, was da vor mir lag. Verantwortung, Endgültigkeit, Veränderung. Mein Gehirn lief schneller als mein Herz hinterherkam.
Als ich später mit anderen darüber gesprochen habe, sagten viele lachend:
„Oh Gott, ja! Hatte ich auch.“
Und plötzlich wurde es leichter. Nicht, weil der Moment weniger groß war – sondern weil ich gemerkt habe, dass ich nicht falsch bin. Dass man ein Geschenk im ersten Augenblick nicht perfekt fühlen muss, um es von ganzem Herzen zu wollen.
Dieser Moment hat mir gezeigt, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, die Angst kurz da sein zu lassen – und trotzdem weiterzugehen. Und dass unser Kopf manchmal einfach schneller ist als unsere Gefühle. Zum Glück holt das Herz meist nach.